Guter Ton ist gut genug – aber wie erkennst du guten Ton?

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Ich rate dir dringend, deine Zeit nicht mit dem Streben nach perfektem Ton zu vergeuden. Gut ist gut genug und ich erkläre dir auch warum (und wie du guten Ton erreichst).

Wenn du kostenpflichtige Onlinekurse anbietest, bedeutet dies, dass du Produkte gegen Bezahlung anbietest. Das heißt, jemand gibt Geld für dein Produkt aus und verknüpft damit gewisse Erwartungen an die Qualität. Und deshalb solltest du nicht sparen, wenn es um die Audioqualität - also deinen Ton - geht.

Es ist sehr, sehr wichtig, guten Ton zu bieten. Es ist aber in 99% aller Fälle unnötig, perfekten Ton anzustreben!

Guter Ton ist gut genug und ich sage dir auch warum

Warum du nicht die perfekte Audioqualität anstreben sollst?

  1. Du wirst es als Laie – besonders als Anfänger – sowieso kaum schaffen.
  2. Deine Zielgruppe wird den Unterschied vermutlich nicht bemerken.

Meine Einstufung der Audioqualität

Ich teile Audioqualität in 3 Kategorien ein:

  • Schlecht
  • Gut
  • Perfekt

Schlechter Ton

Schlechter Ton fällt dir sofort auf. Du startest das Video (oder eine Audiodatei) und fragst dich sogleich, was denn mit dem Ton los ist. Es spielt keine Rolle, ob das ein Rauschen, Zischen oder Nebengeräusche sind.

Fakt ist: Anstatt dich auf die Inhalte zu konzentrieren, liegt dein Fokus auf dem Ton. Und sobald du dich automatisch auf die Tonqualität konzentrierst, hörst du ziemlich sicher schlechten Ton.

Das mußt du in deinen Audios dringend vermeiden!

Guter Ton

Guter Ton ist ähnlich, wie ein guter Schiedsrichter im Fußball. Von einem guten Schiedsrichter spricht man, wenn er 90 Minuten lang nicht auffällt. Das bedeutet nämlich, dass er seine Arbeit gut gemacht hat. Denn es gibt nichts zu diskutieren.

Wenn du keine Sekunde mit Gedanken an die Tonqualität verschwendest, hörst du guten Ton!

Das mußt du anstreben!

Das mußt du anstreben!

Perfekter Ton

Perfekter Ton ist, was du in Hörbüchern hörst.

Perfekter Ton ist, was du im TV hörst.

Perfekter Ton ist, was du in Filmen hörst.

Perfekter Ton wird von Profis mit entsprechendem Know-how, entsprechendem Equipment und entsprechendem Budget aufgenommen.

Ich rate dir: Verschwende deine Zeit nicht mit dem Streben nach perfektem Ton.

Aber ich sage das jetzt nicht nur so daher, ich kann es dir auch beweisen.

Mein Ton wurde von Profis bemängelt und war trotzdem gut genug

Einer meiner Onlinekurse ist über das Schreibprogramm Scrivener. Scrivener gibt es für Windows und Mac in einer leicht unterschiedlichen Version. Also habe ich dafür quasi zwei Kurse kreiert.

Ich wußte noch nicht, was ich heute weiß. Aber es war mir schon damals klar, dass ich mehr benötigte, als nur das eingebaute Mikrofon meines MacBooks oder ein billiges Headset. Ich habe also in ein Mikrofon investiert: das Yeti von Blue. (Welches ich übrigens heute noch nutze).

Mit meinem Blue Yeti habe ich begonnen den Scrivener Kurs aufzunehmen. Ich habe je 35 Videos gemacht, also insgesamt 70 Videos. Das Blue Yeti ist nicht gerade ein billiges Mikrofon, aber auch längst kein Profitool. Es ist so ein durchschnittliches Mikro, das sich wunderbar für Onlinekurse, Podcasts und dergleichen eignet. Es ist ein gutes Mikro - wenn man die richtigen Einstellungen macht.

Ich habe mich damals kurz mit den Einstellungen befaßt, diese auch richtig gehabt und mich dann Hals über Kopf in die Produktion gestürzt. Nach diesen ersten je 35 Videos war der Kurs soweit bereit, dass ich ihn auf Menschen loslassen konnte, um erstes Feedback zu erhalten.

Gleichzeitig kam mir die Idee, dass ich doch auch noch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe für Dozenten Feedback zu meinem Ton einholen könnte.

Nachdem ich also schon 70 Videos aufgenommen hatte, habe ich mit stolzer Brust mein Testvideo hochgeladen. »Kann ich ja noch machen«, dachte ich, »Feedback kann nicht schaden. Ein bisschen Lob auch nicht.« 🙂

Autsch, das hat gesessen...

Und dann kam der Hammer. Das Feedback war ziemlich vernichtend: Du hast schlechten Ton. Du hast zuviel Hall, es ist zu leise, es ist dies, es ist das…

»Autsch, das hat gesessen.«

Mit dem Leise konnte ich leben. Das hatte ich selber schon gedacht. Aber schlechter Ton? Zuviel Hall? Das kam überraschend. Ich hatte ich doch ein gutes Mikrofon - verdammt!

Nach ein bisschen hin- und herschreiben habe ich herausgefunden, dass ich alles richtig gemacht habe. Alles bis auf eine kleine Sache: Ich habe von der falschen Seite ins Mikrofon gesprochen.

Nun mußt du wissen, dass es bei diesem Blue Yeti verschiedenen Einstellungen gibt. Je nachdem wozu ich das Mikro brauche, kann ich einstellen, dass es nur von einer Seite aufzeichnet. Also quasi Ton von der falschen Seite nicht gut erfaßt - damit es weniger Störgeräusche gibt.

Würde ich beispielsweise ein Interview führen und das Mikro zwischen mir und meinem Gegenüber auf den Tisch stellen, kann ich einstellen, dass es von beiden Seiten aufzeichnet und so weiter und so fort.

Lange Rede, kurzer Sinn

Ich hatte zwar alles richtig eingestellt, aber von der falschen Seite ins Mikro gesprochen. Aber ich hätte das Ding frontal vor mich hinstellen sollen und in den Teil reinsprechen, der für meine Aufnahme vorgesehen war…

Weil ich nun von der falschen Seite reingesprochen habe, hat das diesen Hall produziert. Es hat quasi geklungen, als würde ich zu weit wegstehen.

Tja, da saß ich nun - auf meinen 70 Videos mit vermeintlich mangelhaftem Ton. Nun hätte ich alles über den Haufen werfen und nochmals von vorne beginnen können. Aber ich hatte keine Lust die Arbeit von mehreren Wochen einfach so wegzuwerfen.

Was die Betatester sagten

Also habe ich mich entschieden, Betatester auf den Kurs loszulassen. Ich habe mir 10 Leute gesucht, die den Kurs angeschaut haben. Etwas, was du übrigens für jeden Kurs machen solltest.

  • 5 Testern habe ich gesagt, dass sie bitte auf den Ton achten sollten.
  • 5 Testern habe ich überhaupt nichts gesagt.

Das Feedback

Von den 5, denen ich gesagt habe, sie sollen auf den Ton achten, haben mir 3 gesagt, dass der Ton stellenweise etwas zu leise war. Wenn sie die Videos auf dem Tablet im Garten angeschaut haben, hätten sie zuwenig gehört, weil das Lauteste nicht laut genug war.

Die 5, denen ich nichts vom Ton gesagt habe, haben den Ton nicht bemängelt.

Das heißt: Von 10 Testern waren 5 auf den Ton sensibilisiert und von diesen 5 haben nur 3 etwas bemängelt und auch da nur die Lautstärke. Keiner hat Hall erwähnt.

Das bedeutet, der Ton war gut genug für Menschen, die normalerweise wenig oder gar nichts mit Video- und Audioproduktion zu tun haben (also für ungeschulte Ohren).

Was habe ich gelernt?

Je nachdem, was ich für eine Zielgruppe habe, reicht guter Ton völlig aus. 

Er sollte einfach nicht negativ auffallen - wie der Schiedsrichter im Fußball.

Mittlerweile hat mein Scrivener Kurs je über 100 Videos und natürlich habe ich in den weiteren Videos von der richtigen Seite ins Mikrofon gesprochen. Könnte ich den Ton trotzdem noch verbessern? Selbstverständlich. Und mit zunehmender Erfahrung habe ich das in neuen Videos auch gemacht (und mache ich noch).

Aber ich will dir anhand dieses Beispiels zeigen, dass es nicht nötig ist, für deinen Onlinekurs perfekten Ton abzuliefern. Gut ist gut genug!

Praxistipp: Wie du guten Ton aufnimmst (in Videos)

Falls du jetzt gerade denkst: »Theorie ist ja schön und gut, aber wie nehme ich den guten Ton auf?«

Hier findest du zwei Videos, in denen ich dir erkläre, was ich tue, um guten Ton zu erreichen. 

Diese beiden Videos sind aus meinem Screenflow Kurs (Screenflow ist eine Screencastsoftware und mein Nr.-1-Tool um Videos aufzunehmen und zu bearbeiten)

Video 1 - Audio - meine persönliche Meinung (und ein Blick hinter die Kulissen)


Video 2 - Ein paar Audioaufnahmetipps, mein Mikrofon und die Einstellungen (ohne Gewähr)

Möchtest du eine vollständige Liste der Tools, die ich nutze, um meine Videos zu kreieren? Dann hol dir meinen Onlinekurs Toolkit. 

Fazit

Nach meiner Definition gibt schlechten, guten und perfekten Ton. Vergeude deine Zeit nicht mit der Suche nach dem perfekten Ton. Überlasse das den Ton-Profis und konzentriere dich darauf, guten Ton zu liefern.

Je mehr Erfahrung du hast, je besser werden deine Fähigkeiten. So kannst du dich Schritt für Schritt weiterentwickeln und trotzdem gute Qualität abliefern.

Ich hoffe, dieser Beitrag hilft dir weiter.

Viel Erfolg!

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