Wie du deine Schreibblockade überwindest (fürs Bücher schreiben)

Wie du deine Schreibblockade überwindest (fürs Buch schreiben)

Oft werde ich gefragt: »Gian, wie kann ich meine Schreibblockade überwinden? Hast du ein Mittel?«

Ich bin kein Wunderheiler, aber ich habe tatsächlich ein Mittel, um Schreibblockaden zu überwinden, respektive gar nicht erst entstehen zu lassen. 

Es immer sinnvoller nicht nur die Symptome, sondern gleich die Ursache zu bekämpfen. 

Warum entstehen Schreibblockaden?

Schreibblockaden entstehen höchstselten aufgrund mangelnder Ideen.  Das Problem ist, aus diesen Ideen etwas zu machen. 

Deshalb gibt es ein simples Mittel, um deine Schreibblockade zu überwinden. Es lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Planung

Nur damit das klar ist, eigentlich mag ich kein Planen. Ich bin ein sogenannter Discovery Writer. Das heisst, ich schreibe los und schaue was passiert. 

Doch selbst da komme ich um ein Mindestmass an Planung nicht herum. 

Wenn du also jemand bist, der gerne plant, wunderbar. 

Falls der Gedanken zu planen bei dir Stirnrunzeln provoziert, weiss ich, wie du dich fühlst. 

Keine Sorge, ich will dir jetzt hier nicht erzählen, dass du die nächsten zwei Wochen damit verbringen sollst, einen Plot zu kreieren. 

Jedoch schadet es nicht, herauszufinden, wo du stehst, wo du hinwillst und was du auf dem Weg dorthin tun musst.

Um dir zu verdeutlichen, was ich damit meine, werde ich dir eine kleine Geschichte in zwei Versionen erzählen. 

Eine Geschichte - Version 1

Stell dir vor:

Du wirst zuhause abgeholt. Du steigst in einen VW-Bus ein. Es wird dir eine Augenbinde angelegt und die Fahrt geht los. Du bist für einige Stunden unterwegs. 

Irgendwann hält der VW-Bus an, die Schiebetüre geht auf und du darfst aussteigen. Jetzt wird dir die Augenbinde abgenommen. Nachdem du dich wieder ans Licht gewöhnt hast, blickst du dich um. Du bist in irgendeiner Stadt. Du hast keine Ahnung in welcher. 

Jetzt erhältst du deine Aufgabe. Du musst bis heute Abend um 20.00h am Hauptbahnhof sein. 

Alles, was du hast, sind deine Kleider. Du hast kein Handy, keine Uhr, kein Geld oder anderweitige Hilfsmittel. Ausserdem darfst du niemanden um Rat fragen. Und wir tun jetzt einfach mal so, als wären sämtliche Verkehrsschilder abgedeckt. 

Da stehst du nun. Alles, was du weisst, ist dein Ziel: 20.00h, am Hauptbahnhof. Du weisst weder die aktuelle Uhrzeit noch wo du bist, geschweige denn, in welcher Richtung du losmusst, um dein Ziel zu erreichen. 

Was machst du? Vermutlich blickst du dich um und versuchst irgendwas zu finden, was dir weiterhilft. Eine Uhr, Tramschienen, eine Busspur, markante Gebäude, was weiss ich. 

Vielleicht hast du Glück. Vielleicht findest du tatsächlich Tramschienen. Und du weisst, früher oder später führen diese zum Bahnhof. Allerdings weisst du nicht, in welche Richtung du musst. Du folgst also den Schienen. Doch die führen dich an den Stadtrand. Wenigstens hast du in einem Schaufenster die Uhrzeit gesehen und weisst, dass dir noch über 5 Stunden bleiben. Du suchst und machst und vielleicht hast du Glück. Vielleicht findest du deinen Weg und stehst plötzlich tatsächlich vor dem Bahnhof. Es war harzig, aber du hast es geschafft. 

Vielleicht landest du aber zum dritten Mal vor dem gleichen Schaufenster oder in einer Sackgasse. Vielleicht läufst du stundenlang durch Wohnquartiere, ohne wirklich weiterzukommen. Irgendwann bist du erschöpft, setzt dich auf eine Parkbank und gibst auf. 

Ein Geschichte - Version 2

Stell dir vor: 

Du wirst zuhause abgeholt. Du steigst in einen VW-Bus ein. Es wird dir eine Augenbinde angelegt und die Fahrt geht los. Du bist für einige Stunden unterwegs. 

Irgendwann hält der VW-Bus an, die Schiebetüre geht auf und du darfst aussteigen. Jetzt wird dir die Augenbinde abgenommen. Nachdem du dich wieder ans Licht gewöhnt hast, blickst du dich um. Du bist in irgendeiner Stadt. Du hast keine Ahnung in welcher.  

Jetzt erhältst du deine Aufgabe. Du musst bis heute Abend, um 20.00h am Hauptbahnhof sein. 

Alles, was du hast, sind deine Kleider. Du hast kein Handy, kein Geld, keine Uhr. Ausserdem darfst du niemanden um Rat fragen.

Jetzt wird dir ein Stadtplan in die Finger gedrückt. Darauf ist eingezeichnet, wo du jetzt gerade stehst. 

Du weisst, wo du bist und wo du hinmusst. Dank deinem Plan hast du eine ziemlich konkrete Vorstellung, was du jetzt tun musst, um dein Ziel zu erreichen. Möglicherweise erwischst du eine Strasse, die keinen Gehsteig hat oder du landest in einer Baustelle und musst umdrehen. Aber du bist zu keiner Zeit verloren, Aufgeben ist kein Thema.

Und genau das meine ich mit Mindestmass an Planung.

Mach einen Plan, der folgende Elemente beinhaltet:

  1. Er ist spezifisch genug.
  2. Er macht Sinn für dich und du glaubst daran.
  3. Er passt zu deiner Lebenssituation und ist realistisch. 

Wenn du in eine Schreibblockade rennst, ist das meist, weil du nicht weisst, was du JETZT tun musst, um dein Ziel zu erreichen. 

Die meisten Schreibblockaden kannst du verhindern, indem du genau dafür sorgst.

Schreibblockade überwinden oder gar verhindern - mein bewährtes Rezept 

1. Finde heraus, welcher Schreibtyp du bist (Plotten vs. Drauflosschreiben)

Es gibt verschiedene Wege, an ein Buchprojekt heranzugehen. Die einen verbringen die ersten Wochen mit einer mehr oder weniger detaillierten Planung. 

Andere wiederum sind sogenannte Discovery Writer und schreiben einfach drauflos. Das berühmteste Exemplar ist Stephen King.

Je nachdem welcher Schreibtyp du bist, kann dich die falsche Herangehensweise blockieren. Im Zweifelsfall empfehle ich dir immer, einen Plan zu machen. 

Diese zwei Beiträge befassen sich intensiver mit dem Thema:

Wenn du einen Plan hast, kennst du dein Ziel und den Weg, der dich ans Ziel führt. Das alleine wirkt schon vorbeugend.

2. Immer alle Ideen notieren 

Wenn du an einem Buchprojekt arbeitest, solltest du immer ein Notizbuch bei dir tragen. Ob du das auf Papier machst oder dein Handy verwendest, ist dir überlassen. 

Wichtig ist, dass du dir jeden Geistesblitz sofort notierst. Machst du das nicht, wirst du dich in ein paar Tagen, Wochen oder gar Monaten garantiert nicht mehr daran erinnern!

Hast du haufenweise Notizen, kannst du bei auftauchenden Schreibblockaden darin stöbern. Das beflügelt deine Fantasie und wirkt meist Wunder. 

3. Verstehe, wie dein Gehirn funktioniert

Du schreibst. Ein Wort ist rot unterstrichen. Du hältst inne. Korrigierst den Fehler. 

Du schreibst weiter. Vergisst ein Komma. Du hältst inne. Korrigierst den Fehler. 

Kommt dir das bekannt vor? 

Ein Fehler, den ich ständig gemacht habe, ist korrigieren während des Schreibens.

Korrigierst du ständig, führt das dazu, dass du gar nie in einen richtigen Flow gerätst und das kann dich blockieren. 

Die rechte und die linke Gehirnhälfte


Schreibblockaden überwinden - rechte und linke Gehrinhälfte

Um dir zu verdeutlichen, wovon ich spreche, hier ein bisschen Theorie. 

Unser Gehirn arbeitet mit zwei Gehirnhälften, links und rechts.

Soweit, so gut, du hast sicherlich davon gehört. Nun hilft es, zu wissen, welche Gehirnhälfte für welche Tätigkeit zuständig ist

Linke Gehirnhälfte: der Analytiker

Links ist fürs logische, analytische Denken zuständig. Dazu gehören illustre Tätigkeiten wie Sprechen, Lesen, Rechnen, Zuhören oder auch Schreiben.

Das Ding beim Schreiben ist, dass wir gelernt haben, fehlerfrei zu schreiben. Ob uns das gelingt, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass unser Hirn gelernt hat, zu schreiben. Damit wir wissen, was richtig und was falsch ist, folgen wir gewissen logischen Regeln: der Rechtschreibung.

Rechte Gehirnhälfte: der Künstler

Rechts sitzt der Künstler in uns. Die rechte Gehirnhälfte ist (unter anderem) zuständig für Emotionen, Gefühle, räumliches Vorstellungsvermögen und Kreativität.

Und genau das ist das Problem. Wollen wir unseren Gedanken freien Lauf lassen, werden wir dabei ständig von unserer logischen Seite, der linken, daran gehindert.

Jedes Gehirn zu seiner Zeit - RECHTSVORTRITT

Bei der ersten Fassung deines Manuskriptes sollst du ungefiltert niederschreiben, was du zu sagen hast. 

Rechtschreibung und Interpunktion spielen keine Rolle

Nutze dazu die kreative Gehirnhälfte, die rechte.

Bei der zweiten Fassung entfernst du den Nonsens und arbeitest heraus, was du mit dem Gesagten meinst (dein Manuskript sollte ca. 10% schrumpfen). Hier kommt die linke Gehirnhälfte dazu.

Bei der dritten Fassung folgt der Feinschliff und du sorgst dafür, dass das Gesagte gut erzählt wird. Jetzt ist hauptsächlich deine linke Hirnhälfte gefragt.

Kurz und knapp:

  1. Fassung = sag es / rechte Hirnhälfte
  2. Fassung = sag, was du meinst / linke und rechte Gehirnhälfte
  3. Fassung = sag es gut (Feinschliff) / vorwiegend linke Gehirnhälfte

Tipp:

Mir hilft es, wenn ich beim Schreiben der ersten Fassung sämtliche Korrekturhilfen deaktiviere. Weisen mich rote Linien auf meine Fehler hin, bin ich ständig abgelenkt.


4. Keine zu langen Schreibpausen während eines Projektes 

Wenn du nur 1x die Woche schreibst, wirst du nie deinen Schreibrhythmus finden, weil du immer wieder den Faden verlierst. Sprich, du musst dich jedes Mal wieder neu eindenken. 

Das raubt dir Energie und beansprucht dein Hirn für falsche Dinge. Wenn du gar nie richtig in deiner Geschichte drin bist, ist die Chance ziemlich hoch, dass dein Schreiben unglaublich zäh ist. 

Übrigens: Kennst du schon meinen Kurs SchreibGewohnheit? Dort bringe ich dir bei, wie du Schreiben so selbstverständlich machst, wie Zähneputzen. 

5. Bist du mental frisch?

Sicherlich kennst du den Zustand, wenn du dich konzentrieren willst und alles, was aus dir rauskommt, ist: böööö. 

Möglicherweise ist es einfach nicht dein Tag. Das kann passieren. Aber 1x im Monat und nicht 4x die Woche.  

Wenn du regelmässig Hirnmatsch verspürst, solltest du deine Gewohnheit anpassen. Wie das genau geht, erkläre ich dir ebenfalls in meinem Kurs »SchreibGewohnheit«.  

6. Schreib an einem anderen Teil weiter

Wenn du beim Schreiben einfach nicht weiterkommst, gibt es einen ganz einfachen Trick. Schreib an einer andere Szene weiter. 

Niemand befiehlt dir, chronologisch vorzugehen. 

Gerade wenn du dein Buch gut planst, kannst du problemlos ein paar Kapitel überspringen und an etwas schreiben, worauf du jetzt gerade Lust hast. 

Meist beflügelt das und irgendwann in den kommenden Tagen läuft es auch an der Stelle wieder, an der du in die Schreibblockade geraten bist. 

7. Schreiben soll Spass machen

Wenn du beim Schreiben keinen Spass empfindest, musst du dringend dafür sorgen, dass der Spass zurückkehrt. 

Versuche etwas zu ändern. Du könntest an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit oder zu Musik schreiben. 

8. Deine Schreibzeit ist heilig

Weisst du, wie lange es dauert, bis du deine Konzentration wieder erlangst, wenn du gestört wurdest? 

20 Minuten. 

Deshalb ist es wichtig, deinen Mitbewohnern zu erklären, dass du beim Schreiben nicht gestört werden darfst. 

Zudem sollst du sämtliche Ablenkungen aus dem Raum verbannen. Dein Handy hat beim Schreiben nichts zu suchen. 

Sorge dafür, dass du keine Mitteilungen auf den Computer erhältst. Schalte nötigenfalls das Internet aus. 

Fazit

Es gibt ganz wenige Ausnahmen, in denen Schreibblockaden tief verwurzelte psychologisch Gründe haben. 

In 97% der Fälle wirst du aber dank diesen Tipps deine Schreibblockade überwinden, respektive dafür sorgen, dass sie gar nicht erst entsteht. 

Wie sieht es aus, hast du schon mit Schreibblockaden gekämpft? Schreib mir einen Kommentar.

Liebe Grüsse aus der Schweiz und: auf Wiederschreiben!

Hinterlasse einen Kommentar 10 Kommentare

Ingrid Antworten

Hallo Gian

Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Wunderbares Beispiel mit Variante 1 und 2 – das trifft den Nagel auf den Kopf (jedenfalls bei mir).
Bei mir stockt es tatsächlich immer wieder, weil ich überhaupt nicht weiss, wohin „die Reise“ gehen soll.

Danke für deine Tipps und diesen Blog!!! Mach weiter so!!!

Ingrid

    Gian Antworten

    Hey Ingrid

    Vielen Dank für deine lieben Worte. Ja, ein Mindestmass an Planung schadet nicht. 🙂

    LG, Gian

FantasyWriter Antworten

Hi Gian

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich immer dann in Schreibblockaden gerate, wenn nicht weiss, warum ich etwas schreibe, sprich mir das Motiv meiner Charaktere nicht richtig bewusst ist.

Von daher ist dein Beipiel mit der „Ausgesetzt-Geschicht“ ziemlich treffend.

Danke!

    Gian Antworten

    Freut mich!

Daniela Antworten

Cool der Tipp mit den Gehirnhälten und der Korrekturhilfen. Ich habe mich ertappt gefühlt. Genau genau das mache ich ständig – korrigieren während des schreibens…..

    Gian Antworten

    Hallo Daniela

    Ja, diese blöden roten Linien kann man kaum widerstehen. 🙂

    LG, Gian

Babs Antworten

Facepalm-Moment! Ich kann ja auch an einer anderen Szene weiterschreiben….

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht…

DANKE für diesen Beitrag!

    Gian Antworten

    Bitte, gerne doch. 🙂

Sandra Antworten

Gute Tipps. Meistens hänge ich trotz ,,Roten Faden“ immer wieder an einen Moment fest, wenn ich ihn zu früh unterbrechen musste. (Aus Zeitgründen oder weil es schon zu spät Abends war und ich langsam Schlafen gehen musste).

Meine Schreibphasen entstehen immer, wenn ich drauf los schreibe und meine Stichpunkte von den Kapitel durchlese. Sie sind meistens spontan und ich schreibe nach einer gewissen Reihenfolge. (Meine Geschichte läuft schon länger, weil ich einfach Beruflich viel arbeite und mir alle zwei Tage nur einige Stunden, Zeit nehmen kann) Meine Augen machen das auch nicht lange mit, wegen den zu kleinen Bildschirm.

Deine Tipps haben geholfen, wie ich schreibe und wie ich Blockkaden aus den Weg gehen kann.

Danke

Lara Antworten

Hi, ich glaube dass du mir mit deinen Beiträgen geholfen hast. Ich bin ein absoluter Anfänger und hab mich ungeplant als erstes in eine relativ komplizierte Handlung, Perspektivenwechsel und generell Dingen gestürzt die Anfängern eigentlich nicht empfohlen werden… ich bin am anfang von dem teil in dem es langsam spannend werden soll, und bin mit meinen Ideen überhaupt ne mehr zufrieden und finde einfach keine Lösung, dazu kommen schule und andere hobbys… ich versuche schon länger den rest zu planen, abet es kommt nix gescheites raus. Es ist halt nur das problem dass ich mich schon ziemlich mit der Idee identifiziert hab und sie niemals aufgeben würde… naja… ich Les mir hier mal noch weitere Beiträge durch.. LG

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