Wie du dein Buch planst und trotzdem glücklich bleibst | KnowHowLounge

Wie du dein Buch planst und trotzdem glücklich bleibst

Putztag: jeden Samstag. Wäschetag: jeden Dienstag. Arbeiten: Montag bis Freitag.

Was haben diese drei Dinge gemeinsam? Sie sind geplant, entsprechen einer Struktur.

Es gibt Menschen, denen behagt das, andere können damit überhaupt nichts anfangen. Ich gehöre zu Letzteren. Ich putze, wenn ich die Laune dazu habe (oder meine Frau mich zwingt) und bevor wir uns vor spontanem Besuch schämen müssen.

Gegen den Wäschetag habe ich eine eigene Waschmaschine im Badezimmer. Um dem strukturierten Arbeitsalltag zu entfliehen, bin ich seit Januar 2014 selbständig.

Aber nicht jeder funktioniert wie ich. Nicht jeder rebelliert gegen Struktur. Was für mich der absolute Graus, ist für dich möglicherweise optimal und umgekehrt.

Planen oder Drauflosschreiben?

Genau so ist es auch mit dem Buch schreiben. Die einen schwören auf Planen, Outlinen, Plotten. Die anderen schreiben am liebsten drauflos. Dass ich der Drauflosschreiber (in Englisch Discovery Writer oder Pantser) bin, habe ich in diesem über zweijährigen Beitrag kundgetan.

Man wird schlauer mit der Zeit

Was ich aber mittlerweile herausgefunden habe, ist, dass ein Minimum an Planung nicht schadet. (Im Gegenteil, es kann dir sogar helfen deine Schreibblockade zu überwinden, respektive dafür sorgen, dass diese gar nicht erst entsteht.)

Was ohne Plan bei einer Kurzgeschichte noch funktioniert, wird bei einem 500-Seiten-Wälzer schnell zur Mammutaufgabe.

Die verschiedenen Methoden

Methoden ein Buch zu planen und zu schreiben gibt es viele. Falls du jetzt auf der Suche nach dem goldenen Weg bist, muss ich dich enttäuschen. Warum? Ganz einfach: Es gibt ihn nicht.

In den letzten Beiträgen, habe ich mich folgenden Themen gewidmet:

Ursprünglich hatte ich vor, in diesem Beitrag ausführlich auf die verschiedenen Methoden der Buchplanung einzugehen. Da ich aber keine dieser Methoden wirklich anwende, beschränkt sich mein Wissen auf ein Minimum.

Was ich aber weiß, werde ich selbstverständlich kundtun, für den Rest, gibt’s weiterführende Links.

Damit du überhaupt weißt, welche Handlungsstrukturen es gibt, empfehle ich dir diesen Beitrag von Marcus Johanus auf literaturjournal.de. Danach werde ich mich kurz und bündig der

  • 3-Akte-Struktur
  • 5-Akte-Struktur

und der

  • Schneeflocken Methode

widmen.

3-Akte-Struktur

Bestimmt hast du schon mal einen Film gesehen. Bestimmt ist dir dabei auch schon aufgefallen, dass diese meist einem bestimmten Muster unterliegen. Meist handelt es sich dabei um die 3-Akte-Struktur.

1. Akt (ca. 25% des Buches)

Der erste Akt beginnt mit der Einführung. Wir lernen die Hauptfigur (Protagonist) kennen und lernen mehr über deren Motivation und mögliche Konflikte.

Im ersten Akt wird die Hauptfigur aus der Bahn geworfen, quasi aus »ihrem normalen Leben« gerissen.

Am Ende des ersten Aktes wird der erste Wendepunkt eingeleitet.

2. Akt (ca. 50% des Buches)

Die Hauptfigur ist mit den Problemen des ersten Wendepunktes konfrontiert. Eigentlich möchte sie in ihr gewohntes Leben zurückfinden und versucht die Probleme zu lösen.

Würde das gelingen, wäre das Buch rasch zu Ende. Dementsprechend passiert das Gegenteil und der Grundkonflikt spitzt sich weiter zu.

Die Mitte des zweiten Aktes ist auch ungefähr die Mitte des Buches. An diesem Punkt ist unser Protagonist am weitesten von seinem Ziel entfernt.

Gleichzeitig sind wir auch am zentralen Wendepunkt angekommen. Unserer Hauptfigur wird einiges klar und sie kann jetzt gezielter nach Lösungen suchen.

Selbstverständlich gelingt das noch immer nicht sofort und es gibt weitere Rückschläge.

Die schwärzeste Stunde unseres Protagonisten zählt als weiterer Wendepunkt und leitet den dritten Akt ein.

3. Akt (ca. 25% des Buches)

Der dritte Akt beginnt am dramatischen Höhepunkt. Nun gibt es kein zurück für die Hauptfigur und wir steuern unweigerlich auf die Lösung zu.

Hier noch weitere Quellen, die dir die 3-Akte-Struktur besser näher bringen (teilweise gehen die Links auch auf andere Strukturen ein):

5-Akte-Struktur

Die 5-Akte-Struktur ist eine erweiterte Version der 3-Akte-Struktur. Kurz und knapp sieht das in ungefähr so aus:

1. Akt

Wir beginnen mit der Einführung der Hauptfigur und lernen diese kennen.

2. Akt

Der Konflikt spitzt sich zu.

3. Akt

Die Situation für den Protagonisten wird fast unerträglich. Wir sind an einem Wendepunkt.

4. Akt

Die Handlung steuert auf das Ende zu.

5. Akt

Der Konflikt wird gelöst.

Ich weiß, ich habe mich sehr kurz gehalten. Das liegt aber auch daran, dass ich eigentlich keine Ahnung von der 5-Akte-Struktur habe und auch nicht die geringste Lust verspüre, mich intensiver damit zu beschäftigen. Wie gesagt: Ich kann Planung nicht ausstehen.

Aber keine Sorge, falls du dich für die 5-Akte-Struktur interessierst, habe ich dir auch hier ein paar weiterführende Links:

Die Schneeflocken Methode

Bei der Schneeflocken Methode habe ich nach dem erstellen einer Mindmap die Flinte ins Korn geworfen. Diese will ich dir aber nicht vorenthalten.

Schneeflocken-Methode

Hier findest du weiterführende Informationen zur Schneeflocken Methode:

Trotz aller Planung nicht das Schreiben vergessen

Es spielt keine Rolle, welche dieser Handlungsstrukturen, dir am ehesten entspricht. Wichtig ist, dass du deinen eigenen Weg findest. Es bringt nichts, dich an fixe Strukturen zu halten, wenn dir das nicht liegt.

Zudem: Die beste Planung bringt dir nichts, wenn du nicht eine Schreibgewohnheit hast, die zu dir passt. (Mehr dazu in meinem Kurs „SchreibGewohnheit“.)

Bei der Recherche für diesen Beitrag habe ich mich zum ersten Mal intensiv mit den verschiedenen Handlungsstrukturen auseinandergesetzt. Hey, besser spät als nie!

Dabei habe ich festgestellt, dass ich automatisch eine Mischung der verschiedenen Strukturen anwende. Der Aufbau meiner Manuskripte entspricht in ungefähr der 3-Akte-Struktur.

Um meine Geschichten zu entwickeln, verwende ich eine abgewandelte Art der Schneeflocken Methode.

⇒Wenn mich jemand fragen würde, welche Methode ich einem absoluten Anfänger empfehlen würde, dann ist es die Schneeflocken Methode. Durch diese Methode ist man gezwungen, sich immer und immer wieder mit seinen Ideen auseinanderzusetzen und diese auch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Buch analysieren

Wer Bücher schreiben will, MUSS lesen. Warum? Weil man damit ein Gefühl für die Sprache und den Aufbau entwickelt. Liest man viel, hat man den Aufbau einer Handlungsstruktur verinnerlicht. Einer der besten Tipps, den ich je bekommen habe, ist der, ein Buch zu analysieren.

Nimm ein Exemplar deines Genres. Dann fang an, das Werk auseinanderzunehmen. Damit meine ich nicht, die Seiten herauszureißen, sondern genau hinzuschauen, wie das Buch aufgebaut ist. Mach dir Notizen, erstelle eine Tabelle, tue, was immer nötig ist, ein besseres Verständnis zu erhalten.

Grundsätzliches

  • Klapp das Buch deiner Wahl auf und schau dir an, wie der Text aussieht.
  • Hat es viele Abschnitte, ist es luftig geschrieben?
  • Wie viele Seiten hat es?

Kapitel studieren

  • Wie viele Kapitel hat das Buch?
  • Wie viele Handlungsstränge sind darin verpackt?
  • Aus welcher Perspektive wird geschrieben?
  • Wie wird das Kapitel eingeleitet, wie lautet der erste Satz?
  • Wie wird das Kapitel beendet, wie lautet der letzte Satz?

Das alles kannst du machen, ohne das Buch richtig zu lesen. Wenn du es noch genauer haben willst, kannst du selbstverständlich tiefer graben.

Ins Detail gehen

Wenn du willst, kannst du dich jetzt schmutzig machen und tief im Wörterschlamm graben. Allerdings musst du dazu das Buch lesen.

Szenen analysieren

Meist entspricht ein Kapitel einer Szene und Szenen unterliegen gewissen Anforderungen. Du wirst nicht in jedem Kapitel alles finden. Aber du wirst früher oder später Muster erkennen. In einer Szene entsteht ein Konflikt, auf welchen es in der nächsten eine Reaktion gibt und so weiter und so fort.

Damit du besser verstehst, was ich meine, liest du dir am besten diese Beiträge durch:

Charaktere

  • Wie entwickeln sich die Figuren?
  • Wie werden sie beschrieben?
  • Welche Konflikte bestehen?
  • Welche Motivationen sind vorhanden?

Show, don’t tell

Achte darauf, wie Dinge nicht erzählt, sondern gezeigt werden.

Erzählt:

Es ist acht Uhr abends.

Gezeigt:

Er stellte den Fernseher an und blieb beim heute-journal hängen.

Dialoge

  • Wie sind Dialoge aufgebaut?
  • Wie sprechen die unterschiedlichen Charaktere?
  • Wie wird die direkte Rede begleitet?

Ich fand den Ansatz ein Buch zu analysieren sehr spannend und extrem hilfreich. Hat man sich erst mal in die Materie hineingekniet, versteht man die Dinge besser.

Fazit

Es gibt keinen goldenen Weg, ein Buch zu planen. Schlussendlich muss jeder für sich selber herausfinden, welche Methode die beste ist. Es schadet jedoch nicht, wenn man sich vorgängig mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzt, um zu wissen, was es überhaupt gibt.

Fängt man erstmal an, wird man seine Techniken anpassen. Wie bei allem gilt auch beim Bücherplanen: Übung macht den Meister.

Wie sieht es mit dir aus? Wie planst du deine Bücher, oder bist du noch auf der Suche nach der richtigen Methode?

Danke für deine Zeit, bis bald und: auf Wiederschreiben!

 

Hinterlasse einen Kommentar 15 Kommentare

Lena Antworten

Hi Gian. Danke für das Bild der Schneeflockenmethode. So kann ich mir das Ganze irgendwie besser vorstellen – auch wenn du gerade darüber nichts schreiben wolltest :-).
Lg, Lena

    Gian Antworten

    Hallo Lena
    Freut mich, geholfen zu haben.
    Liebe Grüsse
    Gian

    Mary Antworten

    Danke für die Info!!!
    Bin schon ein Stück weiter gekommen 😉 Dachte es sei leichter wenn man seine eigene (Lebens) Story auf´s Papier bringen will aber ich habe mich wohl gettäuscht
    Ich wünsche euch allen ein frohes Schaffen :)) lg mary

Petra Koglin Antworten

Hallo Gian…….danke für deine Infos bin wirklich von der Schneeflocken – Methode angetan…..finde ich super und verschafft Überblick…..den ich schon leider am Anfang verloren habe…..also alles auf Anfang und geplanter vorgehen…..

    Gian Antworten

    Hallo Petra
    Bitte, gerne doch. „Alles auf Anfang und geplanter vorgehen…“ kommt mir bekannt vor. Aber nicht das du grad 200 Seiten über Bord wirfst!
    Liebe Grüsse
    Gian

Silvio Graf Antworten

Wow, ich hab mit Entsetzen festgestellt, dass ich drauf und dran bin, mich ohne Planung zu verrenen!
Danke für die tollen Tipps, werde mich grad mal hinter die Schneeflocken Methode machen. Klingt vielversprechend! Danke nochmal.
Silvio

    Gian Antworten

    Hallo Silvio.
    Verrennen ist nie gut, denn es bedeutet auch, dass man Zeit verschwendet. Freut mich, ein bisschen geholfen zu haben!
    Liebe Grüsse
    Gian

Eveline Antworten

Moin Gian
Super Idee mit dem Buch analysieren. Hab ich gerade umgesetzt. Ich fand gerade den Teil mit dem ersten und letzten Satz des Kapitels sehr aufschlussreich. Zudem hab ich bisher Kapitel wahllos erstellt. Das werd ich sofort ändern.
Lg, Eveline

    Gian Antworten

    Hallo Eveline
    Ja, ein Buch zu analysieren hat auch mir sehr geholfen. Den Fehler mit den „wahllos erstellen“ Kapitel habe ich nämlich auch gemacht.
    Freut mich, dass du sofort umsetzt. Ohne Fleiss, kein Preis. 🙂
    Liebe Grüsse
    Gian

Michael Kerner Antworten

Vielen herzlichen Dank für diesen Blog!
Ich liebe das Schreiben. Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Doch mir fehlt es an Wissen, wie man das anpackt. Endlich hab ich eine Seite gefunden, die mich nicht nur mit oberflächlichen Infos versorgt, sondern mir aufzeigt, wie es jemand wirklich macht. Ich habe mich gleich in den Newsletter eingetragen und warte „gierig“ auf Neuigkeiten!
Mach bitte weiter so Gian!
Frohe Festage!
Michael

    Gian Antworten

    Hallo Michael
    Vielen Dank für die netten Worte.
    Genau um das geht es mir mit diesem Blog!
    Liebe Grüsse
    Gian

It-spezialist Antworten

Eine sehr interessante und sehr nützliche Blog!

    Bücherwurm046 Antworten

    Ich finde diesen Blog wirklich sehr nützlich 🙂
    Ich habe mir schon einige interessante und hilfreiche Beiträge durchgelesen…
    … ich werde dann jetzt mal mit dem Schreiben anfangen 😉

Lulu Jones Antworten

Hallo Gian.
Deine Tipps helfen mir sehr!
Meinst du, man kann ZU VIEL planen?

LG,
Lulu

    Gian Antworten

    Hallo Lulu

    Natürlich kann man ZU VIEL planen. Es kommt allerdings sehr darauf an, was für ein Schreib-Typ du bist. Wenn du vor lauter Planung nicht zum Schreiben kommst, ist wohl der Punkt erreicht, an dem zu tatsächlich zu viel planst.

    LG, Gian

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